Maggiduft und Baumkuscheln

Mit Ranger Oli unterwegs im Hönnetal an der Sauerland-Waldroute

Warum riecht es im Wald ab und zu nach Maggi, wie fühlen sich Bäume an und wie laut kann absolute Stille sein – all das erklärt Ranger Oliver Szodruch während einer Führung an der Sauerland-Waldroute im Hönnetal.

by  Julia Rohe , 12. April 2016

Es ist Sonntagmorgen und es ist schon jetzt angenehm warm, obwohl es noch Februar ist und alle dick eingepackt sind. Gespannt auf das was während der Führung auf uns zu kommt und was wir erleben werden, geht es vom Treffpunkt am Haus Recke Richtung Sauerland-Waldroute. An einem sonnigen Fleckchen gibt Ranger Oli eine kleine Einführung zur Waldroute und den Besonderheiten des Hönnetals. Nach diesen ersten Eindrücken kann es losgehen und die Gruppe startet die ersten Meter der heutigen Tour. Der erste Zwischenstopp liegt am Hang mit tollem Blick auf den angrenzenden Wald. Hier wird unser Waldwissen zum ersten Mal auf die Probe gestellt, in dem wir verschiedene Baumarten benennen, und wir lernen den wichtigsten Unterschied zwischen Tanne und Fichte. Zum Glück wissen die Kinder der Gruppe gut über den Wald und seine Bewohner Bescheid und so meistern wir die erste Aufgabe mit Leichtigkeit. Aufgabe Nummer zwei ist da schon schwieriger. „Wie riechen denn Wildschweine“, ist die Frage von Ranger Oli. Nach Antworten wie nach Erde, nach Dreck usw. holt Ranger Oli ein Glas aus seinem Rucksack. Nach kurzem Zögern riechen doch alle am Inhalt des Glases und die Antwort ist – Maggi. Wildscheine haben einen Geruch, der dem von Maggi ähnelt. Wieder etwas gelernt!

Baumstammkuscheln – eine dunkle Angelegenheit

Nachdem wir wieder einige Meter über Stock und Stein und durch eisige Pfützen gewandert sind, machen wir unseren nächsten Zwischenstopp. Wir stehen vor einem kleinen Waldstück mit einigen Bäumen. Ranger Oli greift wieder in seinen Rucksack. Nachdem er von der Gruppe wissen wollte wie man einen Baum am besten erkennen kann, kündigt er ein weiteres Spielchen an. In Zweierteams bekommt einer der beiden die Augen verbunden und wird blind zu einem Baum geführt. Nun müssen wir uns die Merkmale des Baums so gut einprägen, dass wir ihn später sehenden Auges wieder finden können. Gleich zwei Herausforderungen am Morgen, zum einen mit verbundenen Augen durch schwieriges Gelände tapsen und dann auch noch einen Baum ertasten. Es wird gekuschelt, umarmt, gefühlt und getastet. Zurück am Ausgangspunkt darf ich die Augenbinde abnehmen und da steht man nun -  welchen der Bäume habe ich wohl grade umarmt? Aber ich und meine Mitspieler haben Glück, jeder findet seinen Kuschelbaum auch ohne Augenbinde wieder. Aufgabe bestanden!

Auf geht’s zum nächsten Teil unserer Wanderung. Trotz Februar und Schnee- und Eisresten wird uns in der Sonne doch recht warm, während wir zusammen durch das Hönnetal wandern. Unser nächster Halt ist ein Bilderrahmen. Ein Bilderrahmen – im Wald? Aufklärung gibt Ranger Oli sofort. Es ist eine altbekannte Geschichte: Ein hübscher Prinz und sieben heiratswillige Königstöchter. Jede will die schönste sein und das Ende vom Lied ist, dass die sieben Damen, trotz Warnungen einer Hexe, in einen rechten Schönheitswahn verfallen und letztendlich alle zusammen zu Stein erstarren. Nun stehen sie als die sieben Jungfrauen an der Klippe und blicken sehnsüchtig zur Burg des begehrten Prinzen, der Burg Klusenstein. Von der Bank aus mit Blick durch den Bilderrahmen sind die sieben Damen gut zu sehen. Zusätzlich informiert eine der vielen Sagentafeln, die entlang der Sauerland-Waldroute immer wieder zu finden sind, über die Geschichte der Sieben Jungfrauen.

Auch Fledermäuse werden ungern geweckt

Nach einem kleinen Anstieg Richtung Bergkuppe entdecken wir auf dem Weg eine kleine Höhle – die Feldhofhöhle. Ranger Oli bittet uns einmal ganz still zu sein – zugegeben etwas unheimlich ist es schon. Nachdem draußen durch die Sonne alles so hell war, ist es in der Höhle umso dunkler. Wir gehen tiefer in die Höhle und Oli holt eine Taschenlampe hervor. Er leuchtet immer wieder in einen Spalt in der Decke der Höhle. Nach ein paar Mal sagt er, dass normalerweise jetzt die Fledermäuse zu hören wären, diese aber wohl noch sehr tief schlafen. Als wir grade umdrehen wollen, ist es auf einmal zu hören, ein hohes schrilles Piepsen. Also doch, die Kinder sind begeistert und ganz leise verabschieden wir uns aus der Feldhofhöhle und gönnen den Tierchen ihre Ruhe.

Waschbärenspiele in der Sonne

Nun geht es rauf auf den Berg. Oben angekommen müssen wir alle eine kleine Pause machen und auch für diese Pause hat Oli eine gute Idee. Wieder greift er in seinen Rucksack und holt eine Dose heraus. Nun muss sich die ganze Gruppe auf zwei Baumstämme stellen. Wir sind nun alle Waschbären und jeder von uns muss eine Nuss aus Olis Dose ziehen. Diese sind mit Nummern versehen und wir müssen uns nun auf dem Baumstamm den Zahlen nach sortieren. Also wird wieder einmal gekuschelt und wir versuchen uns aneinander vorbei zu balancieren. Auch diese Aufgabe schaffen wir locker – natürlich ohne auch nur einmal vom Baumstamm zu fallen.

Wie immer im Sauerland kommt nach jedem bergauf auch ein bergab uns so geht es wieder zurück ins Tal, durch matschige Wege, über Stöcke, Steine und mittlerweile aufgetaute Pfützen. Wir passieren kleine Brücken und Treppchen und nähern uns so unserem Ausgangspunkt. Bei dem tollen Wetter macht die Wanderung auch nochmal so viel Spaß und Ranger Oli kann jede noch so kleine Frage beantworten, die aus der Gruppe gestellt wird. Nach ungefähr zwei Stunden sind wir wieder zurück am Ausgangspunkt unserer Wanderung.  Auch nach vielen Spaziergängen und Wanderungen im Wald haben doch alle noch etwas gelernt und zumindest wissen wir jetzt, wie sich so ein Baum anfühlt, wenn man ihn nicht sehen kann.  

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