Nah bei Kauz und Katze

„Ranger Jörg“ ist Forst-Botschafter sowie Partner für Erholung-Suchende und Waldbauern

Zwei Monate ist sie schon her, die zweite Tour bei Vollmond im Sauerländer Moor mit Ranger Jörg Pahl.

by  , 11. Februar 2016

Bei den Führungen mit dem Mann vom Landesbetrieb Wald und Holz konnte die Dame aus Lippstadt nicht dabei sein. Doch beim nächsten Mal will sie bei Vollmond im Herbst  auf den Stimmstamm zwischen Warstein und Meschede nicht fehlen. Was reizt bisher 135 Gäste am Moor, an Wanderungen bei fast völliger Dunkelheit - mit „Ranger Jörg“ auf dem Plackweg?  Und wer ist der Naturführer, der auch Grusel von Hitchcock, Edgar Wallace, Wolf und Waldkauz erzählt? Im Auftrag des Landes schneidet er als Forst- und Tourismus-Mann auch Hauptwege frei, schildert bei Forst-Arbeiten Umwege aus und hat den Blick dafür, dass Holzbauern und Erholungssuchende den Wald einvernehmlich nutzen.  Beim Kaffee im Wohnzimmer  erläutert Pahl, bei Wolf und Waldkauz gehe es beileibe nicht ums Gruseln, sondern um heimische Tiere der Natur.  „Als Wald-Botschafter treffe ich  jährlich über 2000 Menschen bei 500 Begegnungen  und 70 Führungen.“

Im Moor ist immer Schauder dabei

Das dokumentiert seine Kladde auch für den Arbeitgeber. Natürlich sei nachts im Moor immer auch ein wenig Schauder dabei. „Doch insgesamt zählt Begegnung.“ Treffen mit Menschen rund um „Pahls“ 240 Kilometer langes Waldwegenetz. „Für uns Ranger geht es um guten Kontakt. Ein stummer Ranger zu sein, ist  falsch.“ Pahl lebt das.

Zehn Ranger-Kollegen in NRW

Führungen bietet er mit insgesamt zehn Kollegen in Südwestfalen an, sie reichen von Wald-Ausflügen mit Hotelgästen über Stunden mit Suchtpatienten im Forst bis hin zu natur-  oder geschichtskundlichen Wanderungen.Ursprüngliche,engeTäler und ihre Botanik ziehen Gäste an. Der Ranger genießt auch Kinderführungen rund um die  „Sauerland-Waldroute“ vom Märkischen Sauerland bis ins (nord-)hessische Bergland.

Wird man im Wald ein anderer Mensch?  Pahl,  seit gut fünf Jahren in diesem Job, lacht. „Fragen Sie meine Frau, was sich verändert hat.“  Später gibt der Ranger, der pro Jahr zu Fuß fast 3000 Kilometer sowie 17500 Jeep-Kilometer im Wald unterwegs ist,  dann doch Auskunft. „Ich genieße die Lebensqualität. In der Schule lebt man im Stundenplan, ich lebe trotz aller Fahrten und Termine in der Natur.“  Bis vor wenigen Jahren war Pahl Technik- und Waldarbeits-Lehrer.

In seinem Wohnzimmer mit einem bodenständigen Schrank aus spanischer Kiefer blickt er ins Grüne. Dorthin begleitet ihn Carlos ständig, sein bretonischer Griffon Fauve. „Der Griffon Fauve ist der älteste französische Jagdhund“, erklärt Pahl. Man ahnt, was der junge Kerl, mit dem er schon viel mehr als nur Nacht-Waldwanderungen erlebt hat, für den Forstmann bedeutet. Im Kamin nebenan brennt Holz aus Sauerländer Wäldern.

Heute gibt es wieder Wildkatzen und Grünspechte

Wird im Ofen nicht Kohlendioxid, ein Klimakiller, erzeugt? Mancherorts in NRW sind doch schon Osterfeuer auch aus Umwelt-Gründen verboten. Pahl braucht über Antworten nicht lange nachzudenken. Moderne Wohnzimmerkamine, sagt er,  hätten einen optimalen Durchzug. „Am besten ist natürlich, wenn CO2 in schönen Tischlerprodukten gebunden ist“, blickt er auf seine Wohnzimmer-Möbel.  „Heute wird Holz nachhaltiger als 1975, aber auch ökonomisierter produziert. „In der Folge gibt es  wieder Wildkatze und Grünspecht.“

Eins ist klar: Pahl liebt seinen Beruf als Wald-Wächter  und Partner der Menschen. „Ich stamme aus Kallenhardt (Red.: ein Dorf nahe Rüthen an der A 44) und bin froh mit meiner Arbeit. “ Deutschlandweit gibt es nur zehn Ranger-Kollegen direkt im Wald. Alle anderen, erklärt Ranger Jörg, sind ausschließlich in  angelegten Nationalparks tätig. So hofft das Land NRW, dass sein Job, der Steuergeld kostet, für den Wald Beziehungen schafft. Alltags- und nachhaltige Zukunfts-Beziehungen. Zu den Menschen, zur Natur.   

Autor: U. Wilmes